Der besondere Bericht - Steinskulpturen aus Simbabwe |
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Facharbeit
Skulpturen als Kulturbrücke zwischen afrikanischer und europäischer Kunst am Beispiel der Skulpturenausstellung aus Simbabwe im Kurpark Bad Bentheim
Verfasserin: Sandra Staggenborg |
Sandra Staggenborg |
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Vorwort
Die 18jährige Sandra Staggenborg aus Lingen hat im zweiten Halbjahr 2011 im Seminarfach Kunst am Franziskus-Gymnasium Lingen im Jahrgang 12 eine Facharbeit geschrieben. Sie erhielt dafür die Note „Sehr gut“.
Am 23. Juni schlug der „Doktorvater“ als mögliche Themen „Der Einfluß der sogenannten primitiven Kunst aus Afrika auf die europäische Kunst“ oder „Die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Kulturräume in Afrika und Europa“ vor.
Am 4. Juli teilte die Schülerin mit, daß sie sich für „Skulpturen als Kulturbrücke zwischen europäischer und afrikanischer Kunst“ entschieden hatte und sich an die Arbeit begebe. Am 1. Oktober war Abgabetermin.
Die Mitglieder des Vereins Matopos e.V. freuen sich mit der Lingener Gymnasiastin über ihren Erfolg und wünschen ihr für den weiteren Lebensweg alles Gute!
Manfred Vallbracht, 1. Vorsitzender des Vereins Matopos e.V.
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1. Einleitung
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Eine Skulptur aus grün poliertem Stein, im Kontrast mit braun naturbelassener Oberfläche, die weder einem menschlichen noch einem tierischen Wesen zuzuordnen ist, ein Stein, der dem europäischen Raum fremd ist, diese Skulptur trifft man im Kurpark Bad Bentheim an. Sie trägt den Titel „ Mermaid“ ( dt. Meerjungfrau).
Der Dialog mit der Steinfigur wirft viele Fragen auf und veranlasst den Betrachter, mehrere dieser individuellen Figuren im Kurpark Bad Bentheim zu betrachten:
Die Ausstrahlung von Nähe und Fremdheit verleitet zu einer Auseinandersetzung mit diesen afrikanischen Kunstwerken.
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Simbabwe ist ein Land, das schon im Jahre 2000 Jahre vor Christi Geburt von Bantu-Völkern besiedelt wurde. Aus ihnen geht die Gruppe der Shona hervor, welche heute die Bevölkerungsmehrheit Simbabwes bildet. Simbabwe ist eine ehemalige Kolonie Rhodesiens und bedeutet in der Sprache der Shona „hochgeachtete Häuser“ oder „Häuser aus Stein“. Davon zeugen noch heute die Ruinen des ehemals mächtigen Königreiches „Great Simbabwe“, die aus riesigen Steinbauten bestehen. 1
Im 19. Jahrhundert wurde das Gebiet Südrhodesien, das heutige Simbabwe, unter britisches Protektorat gestellt. Eine weiße Minderheit bildete die Regierung, die eine Diskriminierung der afrikanischen Bevölkerung mit sich brachte. Eine Revolte weißer Siedler erzielte 1965 die Unabhängigkeit dieses Landes. Südrhodesien erhielt den Namen Republik Rhodesien, aber ohne internationale Anerkennung. Die Politik der weißen Minderheitsregierung führte zu Aufständen seitens der schwarzen Bevölkerung. Nach etlichen Auseinandersetzungen und Kriegen wurde das Land seit 1980 von Präsident Robert Mugabe diktatorisch bestimmt. Durch seine Politik wurde der Rassenkonflikt deutlich verstärkt, was zum enormen Abbau der Wirtschaft führte. Hungersnot und Armut waren die Folge. 2
Seit 2008 ist Mugabe Präsident und Oppositionsführer Tsvangirai Premierminister des Landes, die sich die Regierungsarbeit teilen. Erst seit 2010 hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes leicht verbessert und die Gewaltkonflikte sind rückläufig. 3
Die alte Steinkunst in Form der bekannten Vogelskulptur fand auf der Staatsflagge ein würdiges Abbild, ebenso zeigt sie sich auf der Rückseite vieler simbabwischer Münzen. Die Abbildung der „balancing rocks“ auf simbabwischen Banknoten weist auf die Bedeutung des Steins für Simbabwe hin. 5
Die moderne Bildhauerkunst fand ihren Anfang in den 50er Jahren im ehemaligen Rhodesien mit dem Landwirtschaftsberater Joram Mariga. Dieser zeigte seine bearbeiteten Steine einem Direktor der Nationalgalerie in Harare, namens Frank McEwen. Er war von den Arbeiten so fasziniert, dass er eine afrikanische Werkstatt gründete, in der die Bildhauerkunst ihre Anerkennung bekam. 6
McEwen setzte sich stark für diese Kunst ein und machte die simbabwischen Steinbildkünstler in Paris, London und New York bekannt. 1966 gründete der Farmarbeiter Tom Bloomfield die Tengenenge Gruppe, eine Künstlergemeinschaft aus Steinbildhauern, von denen einige international berühmt wurden.
Bild 2 - Tom Bloomfield (Mitte) und Manfred Vallbracht (rechts)
Mit der Zeit haben sich drei Generationen von Bildhauern in der internationalen Kunstszene etabliert. Zu der 1. Generation zählt man Künstler ohne künstlerische Schulausbildung, wie John und Bernhard Takawira, Fanizani Akuda, Kakoma Kweli und Edward Chiwawa. Unter den Künstlern der 2. Generation fasst man die Bildhauer Tapfuma Gutsa, Agnes Nyanhongo, Brighton Sango, Joseph Muzondo, Sylvester Mubayi und Norbert Shamuyarira zusammen, die ein Kunststudium im Ausland absolvierten.
Heute spricht man bereits von der 3. Künstlergeneration (vgl. 4.1). Während die ersten Generationen eher gegenständlich arbeiteten und die Skulpturen glatt polierten, wurden die späteren Werke gegenstandslos gearbeitet und mit unterschiedlichen Oberflächengestaltungen versehen. 7
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Die Mehrheit der Simbabwer hat noch heute traditionelle Glaubensvorstellungen. Neben dem Hochgott „Mwari“ spielen in der Vorstellungswelt der Shona die Ahnengeister eine wichtige Rolle. 8
Sie dienen „als Mittler zwischen dem unerreichbaren Gott („Mwari“) und den Menschen“. 9
Einigen der Geister müssen Opfer gebracht werden. Sie verkörpern Figuren aus der Shona- Geschichte, die die Lebenden mit den Toten verbinden und für Gerechtigkeit sorgen. Außerdem kommt der Hexerei eine wichtige Bedeutung in der Glaubensvorstellung der Simbabwer zu. Die Hexen zählen zu den bösen Geistern und sind hauptsächlich weiblicher Gestalt. Ihre spirituelle Fähigkeit besteht darin, die Menschen zu verwirren und ihnen Krankheiten zu übertragen. Als Heiler gelten die sogenannten Medizinmänner, die ihre Medizin aus Kräutern zusammenstellen. Auch haben sie ratgebende und wahrsagende Funktionen. Der spirituelle Glaube hat somit großen Einfluss auf das Leben in der Gemeinschaft im Einklang mit der Natur. 10
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Die Steine für die Fertigung einer Skulptur werden aus den großen Steinbrüchen Simbabwes entnommen. Dabei legen die Künstler einen großen Wert auf die Auswahl des Steines. Für die Erstellung der Figur liegt kein vorgefertigter Entwurf vor, stattdessen lassen sie sich von der Form und Gestalt des Steines lenken. 12
„Keiner der großen Künstler sieht in dem Stein nur das Material, durch das er seine Ideen verwirklichen will, denn in der Mythologie der Shona ist der Stein, wie restliche Natur beseelt.“ 13
Unter den unterschiedlichsten Steinelementen in den Steinbrüchen wird am häufigsten der Stein Serpentin benutzt. Dieser ca. 2,6 Milliarden alte Vulkanstein wird besonders wegen seiner Härte bevorzugt, die ihm „Dauerhaftigkeit und Untersterblichkeit“ 14 verleiht. Dieser Stein kann Farben von schwarz über braun bis zu grau-grün annehmen.Diese Vielfalt ist kaum woanders zu finden: Unter ihnen ist der schwarze Serpentinstein der härteste Stein, der auch „Springstone“ genannt wird. Die hellgrüne Serpentinart wird als „Opalstone“ bezeichnet und wird wegen seiner „Festigkeit und Zeichnung“ bevorzugt. Schwarzgefleckte und gelbgefleckte Steine tragen den Namen „Leopardstones“. Den Namen „Chiwesche-Stone“ kommt der dunkelgrünen Serpentinart zu, die eine kleine feine Maserung aufweist. Den „Cobaltstone“ gibt es in den Farben braun, violett bis weiß und er ist ziemlich schwer zu bearbeiten. „Sipolo-Stone“ wird ein Stein von orange-gelber Farbe genannt. 15
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In den Motiven der Steinskulpturen spiegelt sich die Shona-Mythologie wider. Themen aus alten Erzählungen finden in den Skulpturen ihren Ausdruck. Häufig ist die Metamorphose ein bevorzugtes Motiv. Der Übergang von einem Wesen in ein anderes, oft von Mensch zu Tier, spielt eine große Rolle. Ein ganz wichtiges Merkmal bei der Motivwahl ist der Glaube an die Ahnengeister (s.S.4 Kultur und Glaubensvorstellung). Über die spirituelle Kraft des Steines können die Ahnengeister mit den Menschen in Kontakt treten. Der beschützende Geist „wohnt“ somit in der Skulptur und lenkt den Künstler bei der Bearbeitung. Die Ahnengeister können aber auch die Gestalt eines Tieres annehmen. Bedeutend ist hier der Adler als Symbol in der Shona-Mythologie. Er hat die Gabe, die Menschen zu beschützen und hält den Kontakt zwischen Lebenden und Verstorbenen. Große Löcher und große Ausbuchtungen in den Steinen sind ein Symbol für den „Spirit“, der sogenannte Schutzgeist. 17
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In dem Kurpark Bad Bentheim findet man 42 Ausstellungsstücke von 9 Künstlern aus Simbabwe.
Die folgende exemplarische Darstellung einzelner Kunstwerke soll die Arbeitsweise der Künstler und den künstlerischen Ausdrucksgehalt verdeutlichen.
Eines der Ausstellungsstücke ist die von Fanizani Akuda erstellte Skulptur mit dem Titel „Two Families“.18 Sie wurde 2004 aus einem Springstone angefetigt.
Die Skulptur zeichnet sich durch eine Vielzahl von unterschiedlich großen Gesichtern aus, die nebeneinander und übereinander platziert sind.
Egal aus welchem Blickwinkel man die Figuren betrachtet, die Gesichter sind immer zu sehen.
Dazwischen erscheinen beschützende, übergroße Hände, die eine Familienharmonie widerspiegeln.
Die Gesichter und die Hände sind reduziert auf einfachste Formen.
Typisch für seine Arbeiten sind die kugelrunden Augen, die mit einem waagerechtem Schlitz versehen sind.
Trotz Einfachheit der Formengestalt strahlen die Gesichter Fröhlichkeit und Optimismus aus. 19
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Auch von dem Künstler Edward Chiwawa ist nur ein Ausstellungsstück zu sehen. Der Titel lautet „Newly Weds“. 20
Dieses Kunstwerk stammt ebenfalls aus dem Jahre 2004, wurde aber aus dem Stein Opal angefertigt.
Der Stein wurde vom Künstler sehr glatt poliert.
Es handelt sich hierbei um zwei Figuren, die eng nebeneinander stehen, sodass nur zwischen den Köpfen ein leichter Zwischenraum bleibt.
Die Köpfe der Figuren sind oval angelegt, was dem künstlerischen Logo des Chiwawas widerspricht. Denn sein Markenzeichen ist ein rundes Mondgesicht.
Über den kreisrunden Augen der Figuren setzt Chiwawa einen starken Akzent, indem er die Stirn etwas herausragen lässt.
Die Nase ist in einer einfachen rechteckigen Form dargestellt.
Auffällig hierbei ist die Identität beider Personen.
Edward Chiwawa, der wie viele Bildhauer aus Simbabwe, Hunger, Not und Konflikte erlitten hat, bringt mit seiner Skulptur die Bedeutung von Verbundenheit, Liebe und Zärtlichkeit für eine lebenswerte Kultur zum Ausdruck. 21
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Aus den Werken des Profibildhauers Richard Mteki ist die Skulptur „The Storks“ 22 ausgestellt.
Sieben Vögel mit übergroßen, langen Schnäbeln, die aus einem Serpentinstein gehauen worden sind, zeigen die für ihn typisch verwendeten Stilelemente aus den Themen der Natur und Tierwelt.
Mteki stellt die Figuren so da, dass sie eng aneinander geschmiegt erscheinen.
Dies wird durch die geschwungenen, schmalen aneinander gelegten Körperformen von Schnabel, Hals und Korpus deutlich.
Dadurch wird Friedfertigkeit und Zusammenhalt im Sinne des Shona-Glaubens ausgestrahlt.
Der Bildhauer Mteki ist auf nationaler und auch internationaler Ebene bekannt. 23
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Sieben Ausstellungsstücke in Bad Bentheim stammen von dem Bildhauer Chemedu Jemali. Davon sind sechs Exemplare aus dem Springstone und eine Skulptur aus dem grünen Opal angefertigt. Die meisten Skulpturen sind abstrakt.
Auffällig hierbei ist schon die Betrachtung der einzelnen Titel. Vier der Titel beinhalten das Wort „Spirit“. Hier wird vor allem der Bezug zum Shona-Glauben deutlich, in dem der Kontakt zu den Ahnengeistern eine große Rolle spielt.
Symbol für diesen „Spirit“ sind die weiten und großen Löcher in den polierten schwarzen Serpentinsteinen. Diese Löcher strahlen somit Offenheit und Freiheit in der gewaltigen Kraft des Steines aus. In der Oberflächenstruktur wechseln sich glatte, geriffelte und linienförmige Strukturen ab. 24
Die aus Opal gefertigte, glatt polierte Skulptur trägt den Titel „The Footballer“. 25
Sie stellt eine abstrakte Figur eines Fußballers dar, die eine leicht gekrümmte Haltung einnimmt und an den Füßen einen Ball hält. Die dynamische Gestalt lässt die Figur in Bewegung erscheinen.
Diese Skulptur repräsentiert ein Beispiel für seine typischen Darstellungen von menschlichen Aktivitäten. 26
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Die Skulpturen von Denny Kanyemba zeigen hauptsächlich menschliche Gestalten, bei denen oft nur der Kopf herausgearbeitet ist. Der Künstler verwendet bei dieser Arbeit sowohl den Springstone, als auch den Opal.
Ein Beispiel seiner Arbeitsweise zeigt die Skulptur „Beauty of the World“ 27, die aus dem Springstone angefertigt wurde. Die Kopfformen sind oft oval länglich mit einer langgezogenen Stirn. Der Künstler lässt das Gesicht vorne spitz zulaufen, sodass von Stirn bis zum Kinnende eine Kante entsteht. Auge, Nase und Mund sind in abstrakten reduzierten Formen dargestellt. Auffällig an den Gesichtern sind ihre Kopfbedeckungen in Form von Hüten oder Haaren. Sie werden durch verschiedene Bearbeitungstechniken der Steinoberfläche in den Vordergrund gestellt. Unbehauene Steinoberflächen erscheinen matt gegenüber den polierten Flächen und erhalten eine andere Färbung.
Die Skulptur „The Graduate“ 28 zeigt, dass Denny Kanyemba auch Ganzkörperskulpturen erstellt. Die männliche Figur trägt auf dem Kopf einen typischen Studentenhut und in der Hand ein aufgerolltes Abschlusszeugnis. Nur das Gesicht, die Hände und das aufgerollte Zeugnis werden mit polierter Fläche versehen. Sie bilden einen Kontrast zu den rauen, geriffelten restlichen Oberflächen.
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Der Künstler Tichaona Nyakambangwe zeigt abstrakte Kunstformen mit und ohne menschliche Züge. Auffällig bei seinen Arbeiten sind die lang nach oben gestreckten Gebilde, die manchmal mit verschnörkelten Kugeln enden. Sie strahlen in ihrer Dreidimensionalität Erhabenheit und Kraft aus.
Welche Aussage der Künstler mit seinen Figuren erzeugen will, wird deutlicher, wenn man die Titel betrachtet, wie z.B „The three Events of Life“ 29. Die Skulptur „Spirital Mermaids“ 30 soll eine Wassernixe verkörpern.
Bei dieser völlig abstrakten Form
setzt der Künstler in den unteren Bereich der glatt polierten
Skulptur ein Loch, umgeben von einer schraffierten, aufgerauten
Oberflächenstruktur. S-förmig führt sie geschwungen in die Höhe,
wodurch man an Wasserwellen erinnert wird. Auch hier gerät der
Betrachter durch die Formgebung in den Dialog mit dem spirituellen
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Der Künstler Chituwa Jemali beschäftigt sich in seinen Kunstwerken mit Motiven von unterschiedlichen Kopfcharakteren, ähnlich wie bei Denny Kanyemba.
Daneben beschäftigt sich Jemali aber auch mit der Tierwelt. Dies zeigen die Skulpturen „Hungwe Bird“ 31 und „Pangolin“ 32 .
Die Vogeldarstellung strahlt Würde und Schutz aus. Die senkrechte Haltung des Fisches, mit dem Blick in den Himmel, lässt die Figur kraftvoll und erhaben erscheinen.
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In den Arbeiten von Mike Munyaradzi spielt die Shona-Mythologie eine große Rolle.
Besonders das Motiv der Metamorphose kommt in der Skulptur „Birdkeeper“ 33 zum Ausdruck.
Die Skulptur beinhaltet nicht nur menschliche Gestalten, sondern auch tierische.
Auf der einen Seite blickt der Betrachter auf einen pinguinähnlichen Vogel mit einem überlangen Schnabel.
Alle anderen Seiten der Skulptur weisen mehrere Gesichter mit angedeutetem Körper auf, wobei ein Gesicht von dem langgezogenen Schnabel des Tieres eingerahmt wird.
Die Gesichtsoberfläche ist planförmig oval und mit eingeritzten kreisrunden Augen und rechteckigen Nasen versehen.
Bei dieser Skulptur hat die Steinmaserung eine große Bedeutung. Während das Vogelkleid in einer bräunlichen Steinfärbung erscheint, werden die Gesichtsabbildungen vom schwarz polierten Serpentinstein verkörpert. 34
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Die afrikanischen Skulpturen sind eingebettet in den Kurpark von Bad Bentheim. An Wegesrändern, unter Bäumen, am Wasser oder auf Rasenflächen erhalten die Kunstwerke ihren Platz. Dadurch, dass sich der Vulkanstein, aus dem die Skulptur gefertigt ist, von der grünen Umgebung abhebt, wird der Betrachter auf diese aufmerksam gemacht.
Je nach Blickwinkel und Lichteinfall verändert sich das Erscheinungsbild der Skulptur. Abstrakte Plastiken wechseln sich mit gegenständlichen Werken ab.
Zum einen werden die Skulpturen mit der Natur in Einklang gebracht, da sie als Sockel fast immer einen Baumstumpf tragen. Zum anderen stehen sie in einem Kontrast zu den modernen künstlerischen Lichtinstallationen von Gabriele Staarmann, die zwischen den Bäumen in unterschiedlichen Positionen hängend hervortreten 35 .
Durch das Anstrahlen der Lichtinstallationen mithilfe von Scheinwerfern oder dem Sonnenlicht wird der Betrachter durch deren Reflexionen emotional gelenkt.
Während die moderne Lichtplastik sich von den Shona-Skulpturen durch Form, Material und Präsentation abhebt, geht von beiden Kunstdarstellungen u.a. dieselbe Wirkung aus, eine spirituelle Kraft, hervorgerufen durch Licht und Schatten bzw. durch Formgebung und Symbolik des Shona-Glaubens.
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Der seit Februar 2002 gegründete Verein Matopos e.V. unterstützt die Arbeit der Bildhauer aus Simbabwe. Er „organisiert Ausstellungen von Steinskulpturen“, hilft beim Verkauf der Kunstwerke und arbeitet mit anderen „ Institutionen, Vereinen und Einzelpersonen“ zusammen, „die die Begegnung mit fremden Kulturen fördern. 36
Zum einen erhalten die meist armen Bildhauer durch den Verkauf der Steinskulpturen eine finanzielle Unterstützung in ihren Familien. Die Skulpturen, die in Bad Bentheim verkauft werden, kosten zwischen 2.000 und 6.000 Euro.
Die Organisation von Ausstellungen mithilfe des Vereins hat nicht nur das Ziel, die Arbeiten in Europa bekannt zu machen, sondern auch das Ziel, die Skulpturen zu verkaufen, um die Kunstkultur in Europa aufrecht zu erhalten. Dabei setzen sich besonders Sponsoren für soziale Projekte ein, wie z.B das Projekt für Aids-Waisen in Simbabwe.
Außerdem bringt der Verein Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammen, sodass eine Vielzahl von Kulturen aufeinander treffen und sich austauschen kann. 37
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Die Überführung der Skulpturen nach Bad Bentheim erforderte einen enormen Aufwand.
Durch die Initiative des Vereinsvorsitzenden Herrn Manfred Vallbracht und deutscher Speditionen wurden die Künstler in Simbabwe zunächst aufgesucht, um mit ihnen gemeinsam geeignete Skulpturen auszuwählen und angemessene Preise dafür festzulegen. Die ausgewählten Skulpturen wurden dann in speziell dafür angefertigten Holzkisten auf Lastkraftwagen verpackt und in Containern per Zug und per Seefahrt bis nach Hamburg oder Bremerhaven befördert, um schließlich mit dem LKW den Zielort Bad Bentheim zu erreichen.
Die Ausstellung ermöglichte den simbabwischen Künstlern nach Deutschland zu kommen, um an dem Aufbau des Skulpturenweges teilnehmen zu können. Dadurch lernten die Künstler die Kultur Deutschlands kennen. Die tatkräftige grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Simbabwe fördert somit die kulturelle Beziehung zwischen diesen Ländern.
Es entstehen persönliche Bekanntschaften, nicht nur zwischen Simbabwern und Vereinsmitgliedern, sondern auch mit kunstinteressierten Menschen jeglicher Herkunft. 38
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Workshops, die von den simbabwischen Bildhauern angeboten werden und teilweise von dem Verein Matopos e.V unterstützt werden, dienen dazu, Kunstinteressierten die afrikanische Kunst erleben zu lassen. Sie erfahren durch die eigene Steinbildhauerei etwas über den Umgang mit dem Vulkanstein, dessen Ausdruck und Bearbeitung.
Entweder haben die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre vorgefertigten Ideen am Stein zu verwirklichen oder sie lassen sich wie die simbabwischen Künstler vom Stein inspirieren und ihre Arbeit wird vom Stein gelenkt.
Durch die gemeinsame künstlerische Tätigkeit kommt es zum Austausch zwischen Workshop-Teilnehmern und afrikanischen Künstlern. Kommunikation, Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Handarbeit fördern die Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Kulturen. 39
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Der Kurgarten von Bad Bentheim als Raum für die öffentliche Ausstellung der Shona-Skulpturen verleiht den Kunstwerken ein würdiges Aussehen. Der Betrachter wird von den unterschiedlichen Skulpturen in den Bann gezogen.
Manchmal beschäftigt er sich länger mit einem Werk, was verschiedene Gründe haben kann. Die figurativen Darstellungen veranlassen den Betrachter, über Erlebnisse aus dem eigenen Leben oder auch über zwischenmenschliche Beziehungen nachzudenken. Durch reduzierte Formgebung wird der Blick auf das Wesentliche des Steines gerichtet.
Kulturelle Themen aus Simbabwe wie Mythologie, Metamorphose und Natur-Mensch-Beziehungen kommen in den Steinskulpturen zum Ausdruck. Abstrakte Bildhauerwerke sprechen durch ihre unterschiedlichen Oberflächenstrukturen, durch Aushöhlungen und Vertiefungen eine spirituelle Kraft aus.
Manche Skulpturen wirken elegant, andere strahlen eine geheimnisvolle Wirkung aus. In der Skulpturausstellung werden viele Sinne des Menschen angesprochen. Das Ertasten des Steines, das Spüren des spirituellen Geistes, das Betrachten der Skulptur und des Naturraums und das Erhören der natürlichen Umgebung überträgt auf den Menschen eine lebendige Kraft.
Gerade den kranken Kurgästen verschafft die harmonische Ausstrahlung und die beseelte Natur einen Platz zur Erholung und Kraftschöpfung. Die Formschönheit und die Reize, die von der Skulptur ausgehen, lassen den Betrachter den Wunsch verspüren, selber eine Steinskulptur zu behauen. Durch diese Betrachtungsweise gerät der Besucher in einen Dialog mit dem Stein und seinen Künstlern, durch den der Betrachter Einblicke in die Kultur Simbabwes erhält.
Es ist auch der Wunsch des Künstlers, durch den Stein eine kulturelle Beziehung zu Simbabwe aufzubauen. Dies bestätigt ein Zitat von dem Bildhauer Arthur Fata: „ We need to explain our work, to bridge the gap between cultures which may exist between our sculpture and the person from the Netherlands or Gemany who may see it.“ 40
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Die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Simbabwe wird durch einige Probleme eingeschränkt. Viele Künstler in Simbabwe leben in großer Armut und ihnen fehlt das nötige Geld für die Steinrohlinge und für die Präsentation ihrer Arbeiten innerhalb einer Ausstellung. Besonders der Transport in europäische Länder ist sehr kostspielig, aufwändig und zeitraubend.
Auch die politischen
Umstände in Simbabwe erschweren es, Steinskulpturen nach Europa zu
überführen. Zudem wird die afrikanische Kunstkultur aufgrund von
Vorurteilen von den Europäern nicht immer anerkannt. |
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Die nähere Betrachtung der Steinskulpturen aus Simbabwe verrät einiges über die Kultur Simbabwes, wie z.B der Shona-Glaube und die Liebe zu Tier und Natur. Bei einigen Skulpturen wird man erst durch den Titel auf ihren Ausdrucksgehalt aufmerksam gemacht. Der Künstler weckt somit starkes Interesse beim Betrachter. Alle Steine strahlen eine gewisse Kraft aus und geben dem Menschen ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz.
Nur mit dem Hintergrundwissen über die politischen und kulturellen Verhältnisse in Simbabwe kann man verstehen, welche Bedeutung diese Eigenschaften für die Afrikaner haben. Auch für die Europäer sind diese Ausdrucksformen menschlicher Gefühle wertvoll, sodass auch sie durch die Betrachtung mitfühlen können. Dabei spielen auch der Ausdruck von Familienbindung, Liebe und Zuneigung eine große Rolle.
Diese Eigenschaften werden nicht immer durch figürliche Darstellungen sondern auch durch abstrakte Kunst dargestellt. Das Behauen des Steines mit seinen vielfältigen Formgebungen, der Gestaltung in der Oberfläche und der Farbe des Steines bewegen den Betrachter sich mit dieser Kunst zu beschäftigen. Besonders die Workshops, die Organisation von Ausstellungen und Verkäufen mit Unterstützung von Vereinen tragen dazu bei, eine persönliche Kommunikation zwischen Afrikanern und Europäern zu ermöglichen. Durch diese Arbeitsweise können sich die Kulturen gegenseitig beeinflussen.
Da das Material für die Bildhauerei der Vulkanstein ist, wird durch ihn eine Verbindung von Lebendigkeit und Unsterblichkeit erzeugt, die die traditionelle Mythologie der Simbabwer zum Ausdruck bringt.
Ich halte es für sehr
gelungen, diese Skulpturen in einem Kurpark auszustellen, da sie den
kranken Kurgästen ein Gefühl von Harmonie, Zufriedenheit und Glück
vermitteln können, die der Genesung der Patienten dienlich sein
können. Die Ausstellung ist nicht nur ein kulturelles, sondern auch
ein sinnliches Erlebnis für Europäer und Afrikaner. |
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Bücher:
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Internetquellen:
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Conrad, Hans: Mike Munyaradzi. |
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Text: Sandra Staggenborg Text Vorwort: Manfred Vallbracht Text: Willi Tebben Fotos: Sandra Staggenborg (Bilder 1, 3 - 16); Manfred Vallbracht (Bild 2) |
| Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz besonders herzlich bei der Verfasserin Sandra Staggenborg für ihre hervorragende Unterstützung zum Erstellen dieser Seite und die Genehmigung zur Veröffentlichung. Wir wünschen ihr außerdem von ganzem Herzen für alle übrigen noch zu bestehenden Abiturfächer die gleichen Bestnoten wie für diesen Bericht!
Wir drücken alle Daumen!
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