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"Haus aus
Stein" vor dem Zusammenbruch?
Als sich 1980 die schwarze Bevölkerungsmehrheit die Unabhängigkeit
erkämpft hatte, waren von allen Seiten die Erwartungen und
Hoffnungen groß. Während der ersten zehn Jahre verfolgte die
Regierung eine Politik, die auf die Grundbedürfnisse der Bevölkerung
ausgerichtet war. Großartige Leistungen wurden erbracht: Das
Schulsystem wurde ausgebaut, alle Kinder konnten die Schule
kostenlos besuchen, das Gesundheitssystem wurde im ländlichen Raum
verankert, und die schwarze Regierung versuchte, einen Prozess der
nationalen Versöhnung, auch zwischen Schwarzen und Weißen zu gehen.
Seit 1990 veränderten sich die politischen Rahmenbedingungen
vollständig. Der Weltwährungsfonds und die Weltbank zwangen Simbabwe
in sogenannte Strukturelle Anpassungsprogramme, die die Ökonomie
stärken sollten. Sie zogen aber zugleich auch herbe Einschnitte in
den Sozialbereich nach sich. Verschärft wurde die Situation durch
zwei schwere Dürreperioden und eine katastrophale Überschwemmung im
Jahr 1999. Zugleich sanken die Weltmarkt-Preise für die von Simbabwe
auf den Weltmarkt gelieferten Produkte.
Im Inneren entwickelten Präsident Robert Mugabe und seine Vasallen
immer stärkere Unterdrückungsmechanismen, um die eigene politische
und ökonomische Macht abzusichern. Korruption und Vetternwirtschaft,
die Ausschaltung möglicher politischer Konkurrenten sowie eine für
das Land finanziell nicht zu verkraftende Beteiligung am Bürgerkrieg
in Angola gingen mit dieser Entwicklung einher. Im Februar 2000
erlitt Mugabe bei einem Referendum zur Verfassung eine deutliche
Niederlage, so daß er zu Recht befürchtete, die Parlamentswahlen zu
verlieren. Da der größte Teil der Bevölkerung auf dem Lande in einem
unvorstellbaren Maß verarmt ist, fand er leicht Gehör, als er die
weißen Großfarmer, die immer noch einen großen Teil des fruchtbaren
Ackerlandes besitzen, zu den alleinigen Sündenböcken der
ökonomischen Krise erklärte. Weiße Farmen wurden besetzt, ihre
Besitzer ermordet. Die Movement for Democratical Change (MDC)
erklärte die Besetzungen für illegal. Über 30 Anhänger wurden
getötet. Trotzdem gewann die Oppositionspartei fast die Wahlen.
Nach der Wiederwahl des Präsidenten Robert Mugabe im März 2002 wuchs
der innere Druck auf ihn immer stärker. Trotz Widerständen in seiner
eigenen Partei wurde er Ende März 2007 erneut für eine weitere
Kandidatur im Jahr 2008 vorgeschlagen. Die Arbeitslosenrate stieg
auf 85 Prozent an, die Inflationsrate liegt im Bereich von Mio.
Prozent. Eine katastrophale Wirtschaftslage,
Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, zusätzlich das
Ende der Presse- und Meinungsfreiheit und weitgehende internationale
Isolation charakterisieren die augenblickliche Situation im Land.
Die wirtschaftliche und soziale Lage nimmt mittlerweile dramatische
Formen an. Nach dem Versuch, durch staatlich verordnete
Preiskontrollen Engpässe bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln
zu verhindern, trat das Gegenteil ein: Brot, Fleisch, Mehl, Speiseöl
u.a. sind in den Geschäften nicht mehr erhältlich oder nur zu stark
überhöhten Preisen auf dem (illegalen) Schwarzmarkt zu kaufen.
Preise werden täglich angepaßt. Die chronische Knappheit von Bargeld
in lokaler Währung trägt zu einem rasanten Anstieg der Preise bei.
Die Versorgungslage mit elektrischem Strom und Trinkwasser ist nicht
mehr gesichert. Zum Teil Stromausfälle über mehrere Tage hinweg
führen zum Zusammenbruch der Kommunikation.
Festnetz-Telefonverbindungen und Mobilfunk-Netzwerke funktionieren
nur sporadisch. In Notfällen ist von der Polizei in der Regel keine
Hilfe mehr zu erwarten.
Die besonders schwierige politische, wirtschaftliche und soziale
Lage der Bevölkerung hat zu einem deutlichen Anstrieg der
Kriminalität geführt. Vor allem in den großen Städten wie Harare und
Bulawayo sind verstärkt Diebstähle und Überfälle zu verzeichnen. In
jüngster Zeit werden vermehrt Einbruchsdiebstähle und bewaffnete
Raubüberfälle in den wohlhabenderen Wohngebieten aller Städte
registriert. Dabei nimmt die Gewalt sowie der Einsatz von
Schußwaffen – in Simbabwe bisher ungewöhnlich – in beängstigendem
Maße zu.
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